Donnerstag, 19. April 2012

Führungsqualitäten

Heute habe ich einen sehr interessanten Artikel in einem der älteren Savvy Times Hefte (Nr 14, Jan 2007 - "Face to Face with ourselves" von Kaffa Martignier) gelesen. Es geht dabei um Leadership, und wie ich als Anführer meiner Mini-Herde meine Verantwortung wahrnehmen muss, damit mein Pferd mir folgen WILL und und seine Verantwortung wahrnehmen KANN. Zur Erinnerung nochmal das Prinzip Nummer 4 - in der Partnerschaft haben sowohl der Mensch, als auch das Pferd ihre jeweilige Verantwortung zu übernehmen:
Der Mensch:
  1. Benimm Dich wie ein Partner, nicht wie ein Raubtier - d.h. mentale, emotionale und physische Fitness.
  2. Einwickle einen unabhängigen Sitz bzw. unabhängige Füsse (am Boden).
  3. Denke wie ein Pferd, bevor Du denkst wie ein Mensch.
  4. Nutze die natürliche Kraft des Fokus.
Das Pferd:
  1. Benimm Dich wie ein Parnter, nicht wie ein Fluchttier - d.h. denke, bevor Du handelst.
  2. Behalte die Gangart bei.
  3. Behalte die Richtung bei.
  4. Schau, wohin Du gehst.
Ein spannender Aspekt dabei ist, wie unsere heutige "bequeme" Welt uns nicht mehr darauf vorbereitet, effektive Anführer zu sein. Als effektiver Anführer muss ich einfallsreich, mutig und beharrlich sein. All dies ist nicht mehr nötig, um meine Grundbedürfnisse zu befriedigen: Wie viel einfacher ist es, einen Fisch im Supermarkt zu kaufen, als einen selbst zu fangen?! Und solange ich mich selbst nicht führen kann, wie will ich ein Pferd führen?

Einige Indikatoren, dass ich meinen Teil der Partnerschaft nicht erfülle, sind zB:
  • ich bin frustriert
  • ich fühle mich unfähig oder überfordert
  • ich beschuldige mein Pferd
  • ich bin ängstlich
Wenn es hingegen funktioniert, fühle ich mich zufrieden, ruhig, glücklich, erfüllt, dem Pferd verbunden und habe Respekt für das Pferd. Diese Gefühle sind für sich genommen nicht gut oder schlecht, sondern ich kann sie als Anzeiger nutzen, wie ein Pilot die Instrumente im Flugzeug nutzt - um gar nicht erst zu weit vom Kurs abzukommen.

Was zeichnet jene Menschen aus, die beharrlich genug sind, um über die negativen Gefühle hinwegzukommen? Sie haben entdeckt, dass es bei Parelli Natural Horsemanship letztlich nicht um das Pferd oder die Aufgabe geht, sondern um eine Weiterentwicklung von mir selbst. Eine Entwicklung, die es mir ermöglicht, zuerst mich selbst zu führen - mental, emotional und physisch fit zu werden.

Diese Entwicklung hat 4 Stufen:
  1. Unbewusste Inkompetenz - ich weiss nicht, was ich nicht weiss.
  2. Bewusste Inkompetenz - ich erkenne, dass ich etwas nicht kann - hier beginnt das Lernen und das Unbehagen.
  3. Bewusste Kompetenz - ich habe es gelernt, muss mich dazu aber konzentrieren und anstrengen.
  4. Unbewusste Kompetenz - die neue Fähigkeit ist mir ins Blut übergegangen, ich mache es instinktiv.
Und dann beginnt das Lernen von Neuem, auf einem höheren Niveau ... Bei dieser Entwicklung spielt das Bewusstsein eine wichtige Rolle. Das Unbehagen in Stufe 2 kommt daher, dass ich mental weiter bin, als ich emotional oder physisch bin. Ich WEISS also, wie ich etwas machen sollte, aber ich kann es schlicht noch nicht umsetzen, sei es emotional oder physisch. Dann habe ich ev. das Gefühl, dass ich schlechter werde - wobei es nur das deutlichere Bewusstsein ist, das mir dieses Gefühl gibt - ich ERKENNE nun, dass etwas nicht stimmt.

Diese Reise ist eine sehr spannende und lohnende - und jeder geht seinen Weg individuell, für sich und in seinem eigenen Tempo. Wenn ich erst gelernt habe, mich selbst zu führen, wird das Führen von anderen wesentlich einfacher - seien es nun Kinder, Mitarbeiter oder Pferde :-)

Die Liebe schafft Verbundenheit, gute Führungsqualitäten erwirken den Respekt, und die Sprache (im PNH die 7 Spiele) sorgt dafür, dass ich verstanden werde:  
LOVE  - LANGUAGE - LEADERSHIP zu gleichen Teilen sind die Bausteine dieses wundervollen Programms, mit dem ich in erster Linie mich selbst, und ausserdem noch meine Pferde weiterentwickle. 

Ein grosses DANKE an Pat und Linda Parelli, die das so transparent und für alle zugänglich gemacht haben!!!


Montag, 16. April 2012

Game of Contact - Reiten als Tanz

Vor genau einem halben Jahr - die Zeit verfliegt ... - war ich mit meinem Pferd Domino am Game of Contact (GOC) Kurs mit Linda Parelli. Das Game of Contact eröffnet eine völlig neue Sicht auf Finesse (Reiten mit Zügelkontakt): Reiten mit Anlehnung als Tanz, anstelle als "Herumgezerre im Maul", wie man es leider in der "normalen" Welt allzu oft sieht. Und ich war lange Zeit Teil der normalen Reiterwelt. Weil ich es leider nicht besser wusste.

Das Spiel beginnt schon lange vor dem Reiten - am Boden, mit der Beziehung, die ich zum Pferd aufbaue, und beim Aufzäumen. Ziel wäre, dass das Pferd das Gebiss von selbst nimmt (eine Idee, die mir früher nicht mal gekommen wäre ....) Wir sind noch nicht ganz dort, aber auf gutem Weg dahin:

Dann folgen Gebiss-Isolationen, bei denen ich dem Pferd erst mal vom Boden aus "erkläre", wozu das Gebiss eigentlich da ist, und was ich von ihm erwarte, wenn es den Druck im Maul spürt. 

Beim Reiten verwende ich zum Aufwärmen den sogenannten "Steady Rein" (in etwa "ruhiger Zügel") - die Brücke zwischen Freestyle und Finesse. Der lehrt mich als Reiter, wirklich mit meinem Körper und nicht mit den Zügeln zu reiten, und dem Pferd, die Richtung und das Tempo beizubehalten und die Dehnungshaltung einzunehmen.
Im GOC gibt es dann 4 aufeinander aufbauende Stufen:
Stage 1 = Confidence
Stage 2 = Stretching
Stage 3 = Frame
Stage 4 = Collection

"Confidence" bedeutet, dass das Pferd das Gebiss nicht als Barriere wahrnimmt - damit haben wir wenig Probleme. Domino läuft eher los, wenn er den Zügel fühlt, als stehenzubleiben.

Beim "Stretching" fordere ich mein Pferd auf, beim Annehmen der Zügel den Kontakt zu suchen und in die korrekte Dehnungshaltung zu gehen - ähnlich wie beim Steady Rein. 

In der Stufe "Frame" gebe ich meinem Pferd schliesslich einen Rahmen, in den es sich strecken kann. Er sollte sich also in die von mir vorgegebene Zügellänge hineindehnen und den Rücken aufwölben. Die grosse Herausforderung für mich sind dabei die "resting hands", neutrale Hände. Ich bin es von früher her gewöhnt, meine Hände zu tragen (sieht man auch auf dem Bild) bzw. aktiv mit ihnen zu arbeiten. Nun bin ich dabei zu lernen, die Hände loszulassen und passiv - vom Pferd bestimmt - zu halten. Ausserdem muss ich meinen Sitz verbessern - mit Muskeln, von denen ich vor dem GOC nicht mal wusste, dass es sie gibt ;-)

"Collection" ist dann das Tüpfelchen auf dem i - darüber werden wir dann im Advanced Game of Contact mehr lernen. Wenn Du also in der Nähe bist, komme doch vom 13.-15. Juni nach Fehraltorf - es wird bestimmt wieder sehr spannend und lehrreich. Und sprich mich bitte unbedingt an - ich würde mich sehr freuen, die Leser meines Blogs persönlich kennenzulernen!

Weitere Infos über das GOC findest Du in dem genialen Game of Contact DVD Set, das Linda herausgebracht hat. Nicht ganz billig, aber jeden Euro wert!

Samstag, 7. April 2012

Von Himmelhoch ... ins tiefe Loch

Wie Ihr bestimmt schon bemerkt habt, läuft das Leben in Wellen - mal hoch, mal tief, immer in Bewegung ... 

Nun, mir ist es vor 2 Wochen so ergangen. Eigentlich war ich auf einer kontinuierlichen Aufwärts-Welle, die ihren Horsemanship-Höhepunkt am Donnerstag mit einem SUPER fliegenden Galoppwechsel hatte (unser erster gerittener GW, durchgesprungen, entspannt und rhythmisch :-). Der Instruktor-Höhepunkt folgte am Samstag, als ich wieder mal bei meinen äussert engagierten Studenten im Oltener Raum schöne Fortschritte sehen, zu einigen AHA-Erlebnissen verhelfen und die Gemeinschaft beim Zvieri geniessen durfte. 

Und dann kam der Sonntag - und mit ihm eine äusserst ungute Grippe. Angefangen hatte sie bei meinem Mann am Donnerstag, aber mir ging es ja sooo gut, ich war so happy und energiegeladen, da dachte ich mir, diesmal bin ich immun dagegen. Leider falsch gedacht. Ich konnte wohl durch das Photonic Red Light das Schlimmste abwenden - verglichen mit Kurt hatte ich nur wenig Fieber und kaum Schnupfen - aber der Schwindel, der kaputte Kreislauf, die Mattigkeit und Kopf- und Gliederschmerzen bieben dann doch recht lange bestehen. Und auch mit dem Heilen ging es in Wellen - dachte mir, ha, heute geht es mir wieder gut ... aufgestanden ... nach 10 Min wieder reif fürs Bett, weil der Kreislauf einfach nicht mitkonnte. Das ist mehrmals so passiert, bevor es dann wirklich wieder bergauf ging.

Das sind dann so Momente, wo ich froh bin, dass meine Pferde in einem Pensionsstall stehen, und wenigstens für ihre grundlegenden Bedürfnisse gesorgt ist. Inzwischen ist das Tal glücklicherweise überwunden, und es geht wieder bergauf - gestern haben wir mit Game of Contact gespielt, und heute hab ich einen schönen, gemütlichen Ausritt gemacht und die neu erwachende Natur und die Kirschbaumblüte genossen :-)

Freitag, 23. März 2012

Glaubenssätze

Vor kurzem habe ich über Glaubenssätze gelesen, und wie sie uns in unserem Weiterkommen behindern können. Dabei wurde mir bewusst, dass das im Alltag ebenso gilt, wie beim Horsemanship.

Was ist ein Glaubenssatz? Irgendeine Idee, die wir im Laufe unseres Lebens aufgeschnappt und verinnerlicht haben. Soweit verinnerlicht, dass sie in unseren Körperzellen und im Unbewussten gespeichert ist. Leider sind solche Glaubenssätze meist negativer Natur, zB ich bin unmusikalisch, ich bin dick, ich bin ungeschickt... aber auch Sachen wie.... kalte Füsse machen krank, mein Pferd regt sich beim Galoppieren immer auf, etc. Viele davon werden in der Kindheit installiert, durch wiederholte Aussagen von Eltern, Lehrern, Freunden und sonstigen Autoritäten, oder durch wiederkehrende Erfahrungen bzw. besonders einschneidende Erlebnisse.

Wie wirkt ein Glaubenssatz? Wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Solange ich daran glaube, selbst wenn es mir gar nicht bewusst ist, wird sich das bewahrheiten. Unter anderem, indem ich es zB gleich gar nicht versuche.

Vor einiger Zeit (die sibirische Kälte ist noch gar nicht so lange her, kaum zu glauben!) gab ich eine Stunde und habe vorgeschlagen, einen Squeeze (Engpassspiel) über einen Sprung zu versuchen. Die Antwort der Studentin: "Aber mein Pferd kann doch nicht springen!" (ein Glaubenssatz, der sie bisher davon abgehalten hat, es überhaupt zu versuchen). Dazu muss ich sagen, es handelt sich um einen Isi, die sind ja nicht gerade fürs Springen gezüchtet, und ausserdem hat die Stute nur mehr ein Auge. Etwas Vorsicht ist da also schon angeraten. Aber die beiden haben eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung, und das fehlende Auge behindert das Pferd beim Spielen im Parelli Natural Horsemanship so gut wie gar nicht. 


Also haben wir langsam begonnen - mit einem Squeeze zwischen zwei liegenden Fässern durch, und ganz allmählich die Anforderung gesteigert. Erst 1 Schaumstoff-Stange, dann 2, dann 3 und schliesslich 4, bis die Stangen fast so hoch waren wie die Fässer. Die Stute hat ihre Sache super gemacht, blieb vertrauensvoll und ist am Schluss der Übung absolut souverän gesprungen - die Studentin konnte es kaum glauben!  Sie hat mir sogar nachher noch ein email geschickt und sich bei mir bedankt, dass ich ihr Mut zum Springen gemacht habe. Das war ein wunderschönes Erlebnis, für uns alle :-). Und wenn sie nächstes Mal im Gelände einem umgestürzten Baum begegnet, muss sie nicht mehr einen Umweg suchen, sondern kann ihr Pferd voller Vertrauen darüber schicken :-)

Wie wird man Glaubenssätze wieder los? Nunja, einmal vielleicht - wie im obigen Beispiel - durch ein Erlebnis oder die Erfahrung, dass das Geglaubte ja gar nicht stimmt. Ausserdem kann man sich bemühen, die limitierenden Glaubenssätze aufzuspüren, sich ihrer bewusst zu werden. Wenn man erst einmal erkennt, dass hinter einer gewissen Reaktion ein Glaubenssatz steckt, der inzwischen unerwünscht ist, kann man diesen dann "freilassen" - selbst oder mit Hilfe eines Coachs.

Wenn Du das nächste Mal denkst "das kann ich nicht, das geht doch nicht" spüre mal hinterher, ob dahinter nicht vielleicht auch ein Glaubenssatz steckt?

Montag, 12. März 2012

Der Sattel, der den Unterschied macht

Seit Anfang März bin ich glückliche Besitzerin eines Parelli Fluidity Dressur Sattels, nach 4,5 Monaten Wartezeit. Das ist beinahe eine Ewigkeit für einen nicht besonders geduldigen Menschen wie mich. Wenn ich mich für etwas entschliesse, will ich das möglichst SOFORT... und nicht erst irgendwann. Im Natural Horsemanship habe ich gelernt, mehr Geduld mit meinem Pferd und meinen Student/inn/en zu haben - am Rest (mit mir selbst, mit meinem Mann, mit alltäglichen Dingen) arbeite ich noch ;-)

Nun, zurück zum Thema Sattel. Seitdem ich die Parelli Sattel DVD gesehen habe, weiss ich im Prinzip, dass mein geliebter Dressursattel zu eng ist für mein Pferd, obwohl es ein österreichischer Markensattel ist, der auf nahezu jedes Pferd passt (nach traditionellen Massstäben). Am 2* Instruktor Kurs hatten wir einen ganzen Tag dem Thema Sattel gewidmet, dort wurde dieses Wissen nochmals bestätigt. Leider ist theoretisches Wissen nicht dasselbe, wie etwas zu sehen und zu fühlen, und so - muss ich gestehen - hat es noch gedauert, bis ich mich zum Kauf eines neuen Sattels durchgerungen habe. Erst hatte ich noch die Hoffnung, ev. an einen gebrauchten Parelli Sattel zu gelangen, um etwas Geld zu sparen... aber so häufig sind die nicht.

Die Wende hat schliesslich der Game of Contact Kurs eingeleitet, an dem ich im Oktober '11 in Fehraltorf teilnehmen durfte. Dort waren Letitia und Steffi von Parelli Saddles, und haben es den Kursteilnehmern ermöglicht, kostenlos die diversen Parelli Sattelmodelle zu testen - ein herzliches Dankeschön an die beiden, denn das ist wahrlich sehr grosszügig, und keine Selbstverständlichkeit! Ich habe also regen Gebrauch von dem Angebot gemacht, und den Cruiser, den Dressur und den Fluidity General Purpose Sattel getestet. Und mein Pferd hat sich zunehmend entspannt und begonnen, den Sätteln zu vertrauen, sodass er die Dehnungshaltung angeboten hat wie nie zuvor, und sie auch halten konnte!

Natürlich war das auch ein Effekt des Kurses und meiner bewussteren Reitweise und Haltung, keine Frage. Den Unterschied, den der Sattel macht, habe ich dann zu Hause bemerkt, als ich weiter das Game of Contact spielen wollte: Domino wollte in die Dehnungshaltung gehen - und kam SOFORT wieder hoch. Und wieder runter, und wieder hoch. Ich konnte ihn kaum mehr dazu bringen, mit der Nase unten zu bleiben und den Rücken aufzuwölben. Weil der zu enge Sattel ihn dabei behinderte oder schmerzte. Am Boden hingegen begann er, die Dehnung von selbst anzubieten. Also blieb mir keine Wahl, ich musste das Reiten ziemlich einschränken und WARTEN......

Nun, im März, konnte ich endlich das Game of Contact mit dem neuen Parelli Sattel wiederaufnehmen - und siehe da, plötzlich funktioniert es wieder mit der Dehnungshaltung :-) Das lange Warten wie auch die Investition haben sich also ausgezahlt, und mein Pferd dankt es mir durch absolut willige Kooperation :-)

Ob Dein Sattel zu eng ist, insbesondere ob er die Schulter blockiert, lässt sich eigentlich recht einfach erkennen - an der Delle hinter dem Schulterblatt (das Pferd rollt die Schulterblätter nach vorne, um dem Druck auszuweichen). Das Fatale ist, dass so viele Pferde damit herumlaufen, dass das "normal" zu sein scheint. Bei Domino war dieses Loch ziemlich ausgeprägt. Und mir ist das jahrelang nicht seltsam erschienen, da ich mein Pferd gar nicht anders kannte!

Was viele nicht wissen - Parelli Sättel können in der EU für 5 Tage recht günstig getestet werden - du musst lediglich den Versand bezahlen. Für weitere Infos zum Thema Sattel bzw. Anpassung kannst Du mich gerne kontaktieren unter parellispirit@gmail.com.

Sonntag, 19. Februar 2012

NEUTRAL ... oder Täter ... oder Opfer?


Vor kurzem führte ich ein hochinteressantes Gespräch mit Pamina, einem aussergewöhnlichen Wesen, welche letzten Sommer das Haus unserer Nachbarin hütete. Es ging darum, NEUTRAL sein zu können. 

Wer sich mit Natural Horsemanship beschäftigt, weiss, wie wichtig NEUTRAL in der Kommunikation mit dem Pferd ist. Und dass es gar nicht so einfach ist, dies zu erreichen. Wie wichtig NEUTRAL in unserem alltäglichen Leben ist, darüber hatte ich mir bislang nicht allzu viele Gedanken gemacht. Und das als Österreicherin, wo wir doch so viel auf unsere Neutralität halten  ;-)

Ein Beispiel: es gibt aussergewöhnliche Menschen, die unter Raubtieren leben können, ohne angegriffen zu werden. Wie machen die das? Sie sind NEUTRAL, weder Angreifer noch Opfer. Würden sie die Energie eines Opfers ausstrahlen, wären sie die nächste Mahlzeit. Würden sie die Energie eines Täters ausstrahlen, würden sich die Raubtiere provoziert fühlen und angreifen, um sich zu verteidigen. Haben sie tatsächlich neutrale Energie, sind sie für die Tiere "wie ein Baum".

Wir verschwenden in unseren Leben und Beziehungen viel Zeit mit Täter-Opfer-Spielchen, kosten mal die eine, mal die andere Seite aus. Und wir sind NIE nur Täter oder nur Opfer, das eine bedingt das andere. Gerade an Kindern (oder Tieren, die in einer Rangordnung leben, wie zB Pferden :-)) kann man das wunderbar beobachten. Ein jüngeres Kind muss von einem älteren Kind irgendeine Gemeinheit einstecken - und prompt wird es diese (oder eine andere Gemeinheit) an das nächstbeste, in der Regel wiederum jüngere Kind weitergeben. Damit schafft es für sich selbst einen gewissen Ausgleich, und gibt die negative Energie weiter. Ist kein weiteres Kind als Opfer verfügbar, müssen oft genug die Haustiere dran glauben, oder ein Kuscheltier oder Spielzeug.

Sich nicht in diesen Reflexen aufzuhalten, in diesen Ketten aus Aktion und Reaktion, erfordert ein waches Bewusstsein. Und die Bereitschaft, den anderen (sei es nun Mensch oder Tier) als Spiegel zu erkennen, herauszufinden, was denn nun in mir selbst (meist unbewusst) dessen Tat/Aktion provoziert hat. Werde ich mir dieser Muster BEWUSST und bin NEUTRAL, weder im Täter- noch im Opfer-Modus, dann kann ich entscheiden, wie ich reagieren möchte. Möchte ich die Energie so weitergeben, dass die "Welle" sich verstärkt, oder so, dass die "Welle" abgemildert wird, sodass ich schliesslich "auf glatter See segeln" und das Leben und die Beziehungen bewusst geniessen kann?

Eine grosse Herausforderung - im Horsemanship wie im Alltag :-)

Montag, 6. Februar 2012

Die Herausforderung

In den vergangenen Posts habe ich über Herausforderungen bzw. Ziele gesprochen, die ich bis September 2012 erreichen möchte ... aber noch gar nicht erläutert, was es damit auf sich hat. Das möchte ich hiermit gerne nachholen.

Nun, ich bin seit kurzem lizenzierte Parelli 2* Junior Instruktorin - noch im Trainee Status, aber der ist bald beendet :-) Parelli bildet im Moment viele Instruktoren aus, um der Mission - die Welt der Pferde zu verändern - mehr Nachdruck zu verleihen. Gleichzeitig hat Parelli aber die Anforderungen an die Instruktoren höher gesteckt, um die Qualität sicherzustellen. Zusätzlich zu den Instruktor Kursen (oder Externships vor Ort), muss auch ein gewisser Horsemanship-Level offiziell nachgewiesen werden.

Die neuen Anforderungen sind:
  • für 1* Instruktor: Level 4 OnLine
  • für 2* Instruktor: Level 4 OnLine, Freestyle und Liberty
  • für 3* Instruktor: Level 4 komplett (OL, FS, LY und Finesse)
Nun habe ich ja vor kurzem meinen "Green String" erhalten, also Level 3 (OL, FS, LY) offiziell abgeschlossen. Jetzt kommt der Sprung zum Level 4. Level 4 ist einerseits definiert durch gewisse Aufgaben (Tasks), die man mit dem Pferd zeigen kann, andererseits durch die Qualität, mit der dieses geschieht. Es reicht nicht, die Aufgaben "irgendwie" machen zu können, sondern es wird zB. feinste Kommunikation erwartet, eine gute Einstellung des Pferdes, seine gründliche Ausbildung auf mentaler (Respekt), emotionaler (Impulsion) und physischer (Flexion) Ebene. Dieser Qualitätssprung sorgt dafür, dass man den Level 4 nicht eben "aus dem Ärmel schütteln" kann - in der Regel braucht es mehrere Jahre, um so weit zu kommen.

Daher wird es für mich eine Riesen-Herausforderung sein, die 3 (OL, FS, LY) Level 4 Auditions bis September 2012 - also in knapp 7 Monaten - zu bewältigen. Das Gute daran: ich bin angehalten, meine Zeit effizient zu nutzen, und mich nicht mit dem bisher Erreichten zufriedenzugeben ;-)
Die Schwierigkeiten: 
  • nicht ins "direct line thinking" (geradeaus Denken wie ein Raubtier) zu verfallen
  • die Zeit effizient zu nutzen - wie ich schon im letzten Eintrag geschrieben habe, mache ich gerne Umwege - wie zB Pulverschneeausritte ;-)
  • eingefleischte Muster bei mir und meinem Pferd zu überwinden (wir haben eine lange gemeinsame Geschichte, zum Grossteil noch vor Parelli Natural Horsemanship)
  • und wahrscheinlich noch viele andere, die mir jetzt gerade glücklicherweise nicht einfallen.
Zum Thema "Herausforderungen meistern" habe ich heute eine nette Grafik im Facebook entdeckt: im Moment schwanke ich zwischen "How do I do it?" und "I will try to do it!" ... und dann hoffe ich, dass ich im September sagen kann "Yes, I did it!!!"

.... und selbst wenn ich das vordergründige Ziel nicht schaffen sollte, so wird jedenfalls der WEG dorthin enorm spannend und bestimmt lehrreich :-)