Freitag, 24. August 2012

Wasserspiele :-)

Wie heisst es so schön bei Parelli - "take the time it takes, so it takes less time" - also nimm dir die Zeit, die es braucht, und du wirst weniger Zeit brauchen. Denn viele Menschen haben nie die Zeit, etwas mit ihrem Pferd (zB Hängerverladen) richtig zu machen, aber immer wieder die Zeit, es halbherzig und mit einem nicht wirklich vertrauensvollen Pferd zu tun.

Nun, dieser Spruch hat vor kurzem (wieder mal) eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen. Ich war mit meinen Pferden auf Urlaub in meiner Heimat, Bad Ischl. Dort fliesst direkt neben dem Stall der Fluss Traun mit einem Altarm, und es gibt 3 Stellen, wo man mit den Pferden ins Wasser gehen kann, mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad (Strömung bzw Steilheit der Böschung).

 Mein Isi war extrem wasserscheu, als er zu uns kam. Jede noch so kleine Pfütze war ein Theater, vom Abspritzen mit dem Wasserschlauch ganz zu schweigen. Nun, mit einer Menge friendly game hatte es sich schon sehr verbessert, aber in Bad Ischl hat er mich nun wirklich verblüfft. 

Wir waren fast jeden Morgen am Wasser, zum Trinken und Plantschen. Am Anfang ist er nur gerade soweit mit den Vorderfüssen hin, dass er trinken konnte. Ich habe ihn wenig beachtet und mich mehr um meinen Grossen gekümmert, mit ihm Squeeze Games mit dem Wasser gespielt, während der Benni am 7m Seil danebenstand. Da er ja schon recht neugierig ist, hat er sich im Laufe von 45 min immer weiter ins Wasser gewagt, bis er schliesslich zu SPIELEN begann und seinen Kopf bis knapp unter die Augen in die Strömung getunkt hat, sodass das Wasser über seine Ohren drüberschoss! Ich war ehrlich fasziniert ;-)

45 min ohne Druck meinerseits, und aus meinem wasserscheuen Isi wurde er eine Wasserratte! Von da an hatte ich eher das Problem, ihn nicht zu verlieren, weil er immer weiter in den Fluss raus ist, bis ans Ende vom Seil, und die Strömung ja schon recht kräftig war. 


Was ich daraus gelernt habe - Zeit ist relativ, und ich bin tendenziell immer noch zu ungeduldig ;-) Wenn ich meinen Pferden beim Squeeze Game Zeit gab das Hindernis zu untersuchen, hielt ich mich schon für SEHR geduldig wenn ich mal 5 min gewartet habe. ... spätestens dann kam wieder eine Aufforderung von mir. 45 min sind eine halbe Ewigkeit, wenn ich auf etwas Bestimmtes WARTE .... wenn ich aber den Druck rausnehmen und mir einfach nur die Zeit nehmen kann, das Pferd zu beobachten, können 45 min höchst spannend und ausserdem noch produktiv sein ;-) Weil es nämlich dann seine Idee war, und nicht meine!

Dienstag, 31. Juli 2012

L4 OL bestanden :-)

Ich muss gestehen, ich bin Euch eine Menge Blogeinträge schuldig... es ist so viel passiert in den letzten 2  Monaten, und irgendwie hab ich es noch nicht geschafft, das alles zu sortieren und aufzuschreiben. Aber es kommt noch, versprochen!

Nun erstmal die gute Nachricht: heut hab ich die Bestätigung bekommen, dass ONLINE Level 4 bestanden ist ... JUHUUUU, denn das war eine längere Geschichte.

Mein erster Versuch vom April kam als L3++/pre-4 zurück. Danach folgten mehrere Einzelstunden und ein Kurs bei Berni Zambail, um die Löcher aufzuspüren und zu stopfen. Anschliessend noch die Kurse mit Linda Parelli (Liberty und Advanced Game of Contact). Das nächste Video (http://www.youtube.com/watch?v=MmJSGkf6W6s) haben wir dann Mitte Juli eingeschickt. Nun brauchten wir noch ein Resubmit für das Lasso .... leider haben wir in unserem Stall kaum Gelegenheit, das Lasso wirklich bis zum Ende zu nutzen, da der Platz schlicht zu klein ist. Also hab ich auf dem Weg nach Bad Ischl, meiner Heimat, einen Zwischenstopp auf dem Josenhof bei Memmingen eingelegt. Dort gibt es einen genialen, riesigen Playground mit Naturhindernissen, und dort konnten wir das Resubmit drehen ... danke Alex :-)

WOW! Ich kann Euch gar nicht sagen, wie erleichtet ich bin, dass zumindest der 1* Instruktor-Status gesichert ist. Nun kann ich wesentlich entspannter an die beiden anderen Savvys herangehen :-)

Mittwoch, 9. Mai 2012

Phase 4 - oder Gewalt?

Mehrfach bin ich schon von Studenten gefragt worden - und habe mich auch selbst gefragt - was denn der Unterschied sei zwischen Gewalt und einer effektiven Phase 4. Parelli Natural Horsemanship beruht ja auf den Bausteinen "LOVE, LANGUAGE and LEADERSHIP, instead of FEAR, FORCE and INTIMIDATION." 

Das weckt bei manchen Leuten die Idee, dass es ein reines "Kuschelprogramm" ist. Nun, wer schon einmal eine effektive Phase 4 gesehen hat der weiss, dass das nicht immer hübsch aussieht. Besonders, wenn Pferde miteinander spielen - da geht es mitunter ziemlich rauh zu. Wenn nun ein Mensch eine effektive Phase 4 abliefert (das Spiel gewinnt), kann das durchaus nach Gewalt aussehen und führt zu den unterschiedlichsten Reaktionen bei Menschen, die das Parelli-Programm noch nicht oder nur wenig kennen.

Was unterscheidet nun also eine Phase 4 von Gewalt? 
* das Pferd hatte die Chance zu reagieren - einer Phase 4 gehen  mehrere Phasen (1-3) voraus, je nach Ausbildungsstand des Pferdes in unterschiedlicher Länge
* eine Phase 4 ist effektiv - d.h. das Pferd versteht und kann entsprechend reagieren
* der Druck hört in dem Moment auf, in dem das Pferd reagiert
* der Mensch bleibt emotionslos, ist nicht zornig oder aggressiv 

Das mit dem "emotionslos" bleiben, ist keine einfache Sache. Das müssen wir meistens erst lernen, und fällt vielen sehr schwer. Besonders Menschen, die ihr Leben lang darauf getrimmt wurden, "nett" zu sein, haben Schwierigkeiten damit, effektiv und trotzdem emotionslos zu sein. 

Eine gute Übung dazu: mit dem Stick ein Fass abwechselnd streicheln und fest draufhauen. Und wenn man mit dem Pferd effektiv werden muss, sollte man sich bewusst die Einstellung herbeirufen  - "du musst dich nicht fürchten, aber mach, was ich sage". Und danach immer "Friendly Game" spielen (streicheln), an der Stelle wo man effektiv werden musste. Pferde verstehen das, und respektieren dich dafür. 

Ein Anführer, der sich nicht durchsetzen kann, bleibt in einer Pferdeherde nicht lange Anführer. Und daher müssen wir gelegentlich unsere Pferde davon überzeugen, dass wir es auch wirklich ernst meinen :-)

Donnerstag, 19. April 2012

Führungsqualitäten

Heute habe ich einen sehr interessanten Artikel in einem der älteren Savvy Times Hefte (Nr 14, Jan 2007 - "Face to Face with ourselves" von Kaffa Martignier) gelesen. Es geht dabei um Leadership, und wie ich als Anführer meiner Mini-Herde meine Verantwortung wahrnehmen muss, damit mein Pferd mir folgen WILL und und seine Verantwortung wahrnehmen KANN. Zur Erinnerung nochmal das Prinzip Nummer 4 - in der Partnerschaft haben sowohl der Mensch, als auch das Pferd ihre jeweilige Verantwortung zu übernehmen:
Der Mensch:
  1. Benimm Dich wie ein Partner, nicht wie ein Raubtier - d.h. mentale, emotionale und physische Fitness.
  2. Einwickle einen unabhängigen Sitz bzw. unabhängige Füsse (am Boden).
  3. Denke wie ein Pferd, bevor Du denkst wie ein Mensch.
  4. Nutze die natürliche Kraft des Fokus.
Das Pferd:
  1. Benimm Dich wie ein Parnter, nicht wie ein Fluchttier - d.h. denke, bevor Du handelst.
  2. Behalte die Gangart bei.
  3. Behalte die Richtung bei.
  4. Schau, wohin Du gehst.
Ein spannender Aspekt dabei ist, wie unsere heutige "bequeme" Welt uns nicht mehr darauf vorbereitet, effektive Anführer zu sein. Als effektiver Anführer muss ich einfallsreich, mutig und beharrlich sein. All dies ist nicht mehr nötig, um meine Grundbedürfnisse zu befriedigen: Wie viel einfacher ist es, einen Fisch im Supermarkt zu kaufen, als einen selbst zu fangen?! Und solange ich mich selbst nicht führen kann, wie will ich ein Pferd führen?

Einige Indikatoren, dass ich meinen Teil der Partnerschaft nicht erfülle, sind zB:
  • ich bin frustriert
  • ich fühle mich unfähig oder überfordert
  • ich beschuldige mein Pferd
  • ich bin ängstlich
Wenn es hingegen funktioniert, fühle ich mich zufrieden, ruhig, glücklich, erfüllt, dem Pferd verbunden und habe Respekt für das Pferd. Diese Gefühle sind für sich genommen nicht gut oder schlecht, sondern ich kann sie als Anzeiger nutzen, wie ein Pilot die Instrumente im Flugzeug nutzt - um gar nicht erst zu weit vom Kurs abzukommen.

Was zeichnet jene Menschen aus, die beharrlich genug sind, um über die negativen Gefühle hinwegzukommen? Sie haben entdeckt, dass es bei Parelli Natural Horsemanship letztlich nicht um das Pferd oder die Aufgabe geht, sondern um eine Weiterentwicklung von mir selbst. Eine Entwicklung, die es mir ermöglicht, zuerst mich selbst zu führen - mental, emotional und physisch fit zu werden.

Diese Entwicklung hat 4 Stufen:
  1. Unbewusste Inkompetenz - ich weiss nicht, was ich nicht weiss.
  2. Bewusste Inkompetenz - ich erkenne, dass ich etwas nicht kann - hier beginnt das Lernen und das Unbehagen.
  3. Bewusste Kompetenz - ich habe es gelernt, muss mich dazu aber konzentrieren und anstrengen.
  4. Unbewusste Kompetenz - die neue Fähigkeit ist mir ins Blut übergegangen, ich mache es instinktiv.
Und dann beginnt das Lernen von Neuem, auf einem höheren Niveau ... Bei dieser Entwicklung spielt das Bewusstsein eine wichtige Rolle. Das Unbehagen in Stufe 2 kommt daher, dass ich mental weiter bin, als ich emotional oder physisch bin. Ich WEISS also, wie ich etwas machen sollte, aber ich kann es schlicht noch nicht umsetzen, sei es emotional oder physisch. Dann habe ich ev. das Gefühl, dass ich schlechter werde - wobei es nur das deutlichere Bewusstsein ist, das mir dieses Gefühl gibt - ich ERKENNE nun, dass etwas nicht stimmt.

Diese Reise ist eine sehr spannende und lohnende - und jeder geht seinen Weg individuell, für sich und in seinem eigenen Tempo. Wenn ich erst gelernt habe, mich selbst zu führen, wird das Führen von anderen wesentlich einfacher - seien es nun Kinder, Mitarbeiter oder Pferde :-)

Die Liebe schafft Verbundenheit, gute Führungsqualitäten erwirken den Respekt, und die Sprache (im PNH die 7 Spiele) sorgt dafür, dass ich verstanden werde:  
LOVE  - LANGUAGE - LEADERSHIP zu gleichen Teilen sind die Bausteine dieses wundervollen Programms, mit dem ich in erster Linie mich selbst, und ausserdem noch meine Pferde weiterentwickle. 

Ein grosses DANKE an Pat und Linda Parelli, die das so transparent und für alle zugänglich gemacht haben!!!


Montag, 16. April 2012

Game of Contact - Reiten als Tanz

Vor genau einem halben Jahr - die Zeit verfliegt ... - war ich mit meinem Pferd Domino am Game of Contact (GOC) Kurs mit Linda Parelli. Das Game of Contact eröffnet eine völlig neue Sicht auf Finesse (Reiten mit Zügelkontakt): Reiten mit Anlehnung als Tanz, anstelle als "Herumgezerre im Maul", wie man es leider in der "normalen" Welt allzu oft sieht. Und ich war lange Zeit Teil der normalen Reiterwelt. Weil ich es leider nicht besser wusste.

Das Spiel beginnt schon lange vor dem Reiten - am Boden, mit der Beziehung, die ich zum Pferd aufbaue, und beim Aufzäumen. Ziel wäre, dass das Pferd das Gebiss von selbst nimmt (eine Idee, die mir früher nicht mal gekommen wäre ....) Wir sind noch nicht ganz dort, aber auf gutem Weg dahin:

Dann folgen Gebiss-Isolationen, bei denen ich dem Pferd erst mal vom Boden aus "erkläre", wozu das Gebiss eigentlich da ist, und was ich von ihm erwarte, wenn es den Druck im Maul spürt. 

Beim Reiten verwende ich zum Aufwärmen den sogenannten "Steady Rein" (in etwa "ruhiger Zügel") - die Brücke zwischen Freestyle und Finesse. Der lehrt mich als Reiter, wirklich mit meinem Körper und nicht mit den Zügeln zu reiten, und dem Pferd, die Richtung und das Tempo beizubehalten und die Dehnungshaltung einzunehmen.
Im GOC gibt es dann 4 aufeinander aufbauende Stufen:
Stage 1 = Confidence
Stage 2 = Stretching
Stage 3 = Frame
Stage 4 = Collection

"Confidence" bedeutet, dass das Pferd das Gebiss nicht als Barriere wahrnimmt - damit haben wir wenig Probleme. Domino läuft eher los, wenn er den Zügel fühlt, als stehenzubleiben.

Beim "Stretching" fordere ich mein Pferd auf, beim Annehmen der Zügel den Kontakt zu suchen und in die korrekte Dehnungshaltung zu gehen - ähnlich wie beim Steady Rein. 

In der Stufe "Frame" gebe ich meinem Pferd schliesslich einen Rahmen, in den es sich strecken kann. Er sollte sich also in die von mir vorgegebene Zügellänge hineindehnen und den Rücken aufwölben. Die grosse Herausforderung für mich sind dabei die "resting hands", neutrale Hände. Ich bin es von früher her gewöhnt, meine Hände zu tragen (sieht man auch auf dem Bild) bzw. aktiv mit ihnen zu arbeiten. Nun bin ich dabei zu lernen, die Hände loszulassen und passiv - vom Pferd bestimmt - zu halten. Ausserdem muss ich meinen Sitz verbessern - mit Muskeln, von denen ich vor dem GOC nicht mal wusste, dass es sie gibt ;-)

"Collection" ist dann das Tüpfelchen auf dem i - darüber werden wir dann im Advanced Game of Contact mehr lernen. Wenn Du also in der Nähe bist, komme doch vom 13.-15. Juni nach Fehraltorf - es wird bestimmt wieder sehr spannend und lehrreich. Und sprich mich bitte unbedingt an - ich würde mich sehr freuen, die Leser meines Blogs persönlich kennenzulernen!

Weitere Infos über das GOC findest Du in dem genialen Game of Contact DVD Set, das Linda herausgebracht hat. Nicht ganz billig, aber jeden Euro wert!

Samstag, 7. April 2012

Von Himmelhoch ... ins tiefe Loch

Wie Ihr bestimmt schon bemerkt habt, läuft das Leben in Wellen - mal hoch, mal tief, immer in Bewegung ... 

Nun, mir ist es vor 2 Wochen so ergangen. Eigentlich war ich auf einer kontinuierlichen Aufwärts-Welle, die ihren Horsemanship-Höhepunkt am Donnerstag mit einem SUPER fliegenden Galoppwechsel hatte (unser erster gerittener GW, durchgesprungen, entspannt und rhythmisch :-). Der Instruktor-Höhepunkt folgte am Samstag, als ich wieder mal bei meinen äussert engagierten Studenten im Oltener Raum schöne Fortschritte sehen, zu einigen AHA-Erlebnissen verhelfen und die Gemeinschaft beim Zvieri geniessen durfte. 

Und dann kam der Sonntag - und mit ihm eine äusserst ungute Grippe. Angefangen hatte sie bei meinem Mann am Donnerstag, aber mir ging es ja sooo gut, ich war so happy und energiegeladen, da dachte ich mir, diesmal bin ich immun dagegen. Leider falsch gedacht. Ich konnte wohl durch das Photonic Red Light das Schlimmste abwenden - verglichen mit Kurt hatte ich nur wenig Fieber und kaum Schnupfen - aber der Schwindel, der kaputte Kreislauf, die Mattigkeit und Kopf- und Gliederschmerzen bieben dann doch recht lange bestehen. Und auch mit dem Heilen ging es in Wellen - dachte mir, ha, heute geht es mir wieder gut ... aufgestanden ... nach 10 Min wieder reif fürs Bett, weil der Kreislauf einfach nicht mitkonnte. Das ist mehrmals so passiert, bevor es dann wirklich wieder bergauf ging.

Das sind dann so Momente, wo ich froh bin, dass meine Pferde in einem Pensionsstall stehen, und wenigstens für ihre grundlegenden Bedürfnisse gesorgt ist. Inzwischen ist das Tal glücklicherweise überwunden, und es geht wieder bergauf - gestern haben wir mit Game of Contact gespielt, und heute hab ich einen schönen, gemütlichen Ausritt gemacht und die neu erwachende Natur und die Kirschbaumblüte genossen :-)

Freitag, 23. März 2012

Glaubenssätze

Vor kurzem habe ich über Glaubenssätze gelesen, und wie sie uns in unserem Weiterkommen behindern können. Dabei wurde mir bewusst, dass das im Alltag ebenso gilt, wie beim Horsemanship.

Was ist ein Glaubenssatz? Irgendeine Idee, die wir im Laufe unseres Lebens aufgeschnappt und verinnerlicht haben. Soweit verinnerlicht, dass sie in unseren Körperzellen und im Unbewussten gespeichert ist. Leider sind solche Glaubenssätze meist negativer Natur, zB ich bin unmusikalisch, ich bin dick, ich bin ungeschickt... aber auch Sachen wie.... kalte Füsse machen krank, mein Pferd regt sich beim Galoppieren immer auf, etc. Viele davon werden in der Kindheit installiert, durch wiederholte Aussagen von Eltern, Lehrern, Freunden und sonstigen Autoritäten, oder durch wiederkehrende Erfahrungen bzw. besonders einschneidende Erlebnisse.

Wie wirkt ein Glaubenssatz? Wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Solange ich daran glaube, selbst wenn es mir gar nicht bewusst ist, wird sich das bewahrheiten. Unter anderem, indem ich es zB gleich gar nicht versuche.

Vor einiger Zeit (die sibirische Kälte ist noch gar nicht so lange her, kaum zu glauben!) gab ich eine Stunde und habe vorgeschlagen, einen Squeeze (Engpassspiel) über einen Sprung zu versuchen. Die Antwort der Studentin: "Aber mein Pferd kann doch nicht springen!" (ein Glaubenssatz, der sie bisher davon abgehalten hat, es überhaupt zu versuchen). Dazu muss ich sagen, es handelt sich um einen Isi, die sind ja nicht gerade fürs Springen gezüchtet, und ausserdem hat die Stute nur mehr ein Auge. Etwas Vorsicht ist da also schon angeraten. Aber die beiden haben eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung, und das fehlende Auge behindert das Pferd beim Spielen im Parelli Natural Horsemanship so gut wie gar nicht. 


Also haben wir langsam begonnen - mit einem Squeeze zwischen zwei liegenden Fässern durch, und ganz allmählich die Anforderung gesteigert. Erst 1 Schaumstoff-Stange, dann 2, dann 3 und schliesslich 4, bis die Stangen fast so hoch waren wie die Fässer. Die Stute hat ihre Sache super gemacht, blieb vertrauensvoll und ist am Schluss der Übung absolut souverän gesprungen - die Studentin konnte es kaum glauben!  Sie hat mir sogar nachher noch ein email geschickt und sich bei mir bedankt, dass ich ihr Mut zum Springen gemacht habe. Das war ein wunderschönes Erlebnis, für uns alle :-). Und wenn sie nächstes Mal im Gelände einem umgestürzten Baum begegnet, muss sie nicht mehr einen Umweg suchen, sondern kann ihr Pferd voller Vertrauen darüber schicken :-)

Wie wird man Glaubenssätze wieder los? Nunja, einmal vielleicht - wie im obigen Beispiel - durch ein Erlebnis oder die Erfahrung, dass das Geglaubte ja gar nicht stimmt. Ausserdem kann man sich bemühen, die limitierenden Glaubenssätze aufzuspüren, sich ihrer bewusst zu werden. Wenn man erst einmal erkennt, dass hinter einer gewissen Reaktion ein Glaubenssatz steckt, der inzwischen unerwünscht ist, kann man diesen dann "freilassen" - selbst oder mit Hilfe eines Coachs.

Wenn Du das nächste Mal denkst "das kann ich nicht, das geht doch nicht" spüre mal hinterher, ob dahinter nicht vielleicht auch ein Glaubenssatz steckt?